04.02 18:00, Gegen Standpunktdenken. Zur Kritik des Marxismus-Positivismus von MG und Gegenstandpunkt
Diskussion, Universität Bielefeld, Universitätsstraße 25, U2-107
Donnerstag, 4. Februar 2010, 18 Uhr
Uni Bielefeld, Raum U2-107
Gegen Standpunktdenken:
Zur Kritik des Marxismus-Positivismus von MG und Gegenstandpunkt
Ein Vortrag von Lars Quadfasel
Sicherlich hat sowohl die Welt als auch die deutsche Linke Schlimmeres hervorgebracht als die selige »Marxistische Gruppe« und ihr Nachfolgeprojekt, die Zeitschrift Gegenstandpunkt. Ihre Anhänger betreiben weder Globalisierungskritik noch Volxküchen, kritisieren Linksnationalismus und Proletkult und haben auch für Demokratie, Menschenrecht, Weltfrieden und ähnlich Herzerwärmendes nicht arg viel übrig. Wenn es aber allemal Schlimmeres gibt, so doch wenig Nervigeres als die patenten Topchecker mit dem unverwechselbaren Jargon. Denn mögen sie auch noch so ernsthaft Theorie betreiben – heraus kommt stets nur die sattsam bekannte Armada zeitlos »tauglicher Argumente«, welche, einmal eingeleuchtet, sich zu jedem nur denkbaren Gegenstand (und am besten im Dialekt der bayrischen Chefdenker) abspulen lassen.
Der GSP-Theoretiker nimmt die Position des Drüberstehers ein, des Intellektuellen als Souverän – aber eines Souveräns des gesunden Menschenverstands. Und wie jeder gesunde Menschenverstand explodiert auch dieser, wo er sich in Frage gestellt sieht: durch Reflexion und Introspektion, d.h. Philosophie und Psychoanalyse. Der Stammtischjargon von »Miezen« und »Negern« und dem »ganzen Judenzeugs« ist daher kein Exzess, sondern der Gegenstandpunkt selber: die ressentimenthafte Bekundung, sich von dem nicht tangieren zu lassen, was in seiner Mischung aus positivem System und common sense partout nicht aufgehen will.
Lars Quadfasel
ist assoziiert in der Hamburger Studienbibliothek und der Gruppe Les Madeleines. Er schreibt u.a. für Konkret, Jungle World und Extrablatt.
Eine Veranstaltung der Gruppe
Alas!
(Denkbewegung Bielefeld)